Der Sachsenspiegel – ein Kulturerbe von europäischem Rang

Reppichau ist ein Bildungs- und Informationszentrum für deutsche und europäische, mittelalterliche Rechtsgeschichte. Die Gäste werden im Freilichtmuseum Reppichau wie in einem großen Geschichtsbilderbuch durch die mittelalterliche Rechtsgeschichte geführt und erleben das kulturelle Erbe des Sachsenspiegels auf eine ganz besondere Art und Weise. Die Gästeführungen sind durch ein qualitativ hohes Bildungsangebot untersetzt und man wandelt auf den Spuren Eike von Repgows, durch die geschichtsträchtige Zeit und den Lebensraum der damaligen hier lebenden Volksgruppen. Das kulturelle Angebot ist in verschiedene Themenfelder aufgeteilt, das Elbe-Saale-Gebiet, die Heimat des Eike von Repgow, von der Herkunft der Sachsen, die Herrschaftsbereiche der Askanier und Wettiner, das Verhältnis zwischen Adel und Bauern, die Gerichtsbarkeit, die deutsche Sprache, das Leben und Wirken im Mittelalter bis hin zum großen Reformator Martin Luther, werden auf fantastische Weise einer breiten interessierten Öffentlichkeit nahe gebracht. All diese Ereignisse schreibt auch Eike von Repgow (um 1180-ca. 1235) in seinem Buch, dem Sachsenspiegel (1220-1235) nieder. Das Recht der Sachsen, welches bis dahin in mündlicher Form von Generation zu Generation, vom Vater zum Sohn als Gewohnheitsrecht weiter- gegeben wurde, war die Grundlage des mittelalterlichen Gemeinwesens. Um dieses zu festigen, war der große Wunsch vorhanden, dieses Gewohnheitsrecht nun auch endlich in schriftlicher Form festzuhalten. Ein Grund war ebenfalls, die sogenannten fremden Rechte, das war vor allem das Römische Recht, (531 vor Christus) und das Kanonische Recht, stand- zuhalten, denn sie drohten, die Gewohnheitsrechte der deutschen Völker zu überlagern. Der sächsische Ritter Eike von Repgow, (Ort Repichowe – Reppichau) schrieb das Gewohnheitsrecht auf und gibt auch seinem Buch den Namen:

Spegel der sassen – Spiegel der Sachsen sei deshalb dies Buch genannt, denn Sachsenrecht wird darin erkannt, wie in einem Spiegel die Frauen ihr Antlitz erschauen.

Der Sachsenspiegel ist das bedeutendste Rechtbuch des Hochmittelalters und sogleich das erste größere Sprachdenkmal deutscher Prosa. Sieben Jahrhunderte wurde aus dem Buch Recht gesprochen und es bildete, gemeinsam mit dem Magdeburger Stadtrecht (heute: sächsisch-magdeburgisches Recht) die Grundlagen der Rechtskulturen in Europa vom Mittelrhein bis zum Dnjepr, von der Ostsee bis zum Balkan.

Auch heute noch finden die Rechtsaufzeichnungen des Eike von Repgow, auch Spiegler genannt, in verschiedenen Bereichen des heutigen Lebens, in direkter oder angewandter Form, seine Anwendungen. Ob im Verfassungsrecht, Strafrecht, Erbrecht, Vereinsrecht oder Straßenverkehrsrecht, in welchen auch einer der bekanntesten Redewendungen immer noch seine Gültigkeit hat.

Der berühmte Ausspruch: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst - heute noch im Patentrecht oder Grundbuch, sind immer noch geltendes Recht.

 

Mittelalterliches Handwerk und Schadensersatz

Die Fassadengestaltung soll mit der Maßnahme in der „Straße der Sassen“ Nr. 1, 2 und 4 zum Abschluss gebracht werden und das mittelalterliche Handwerk und das Manngeld darstellen.

Darstellung der Schmiedekunst - Straße der Sassen 1

Auf dem Grundstück ist eine Kunstschmiede ansässig. Hier wird das kulturelle Erbe im wahrsten Sinne des Wortes durch Produktion und Rekonstruktion mittelalterlicher Bauwerke und denkmalgeschützter Einzelstücke durch Schmiedekunst wieder hergestellt. Die Kunstschmiede wird bereits jetzt zum Teil in die Führungen durch das Freilichtmuseum einbezogen. Eine mittelalterliche Bilddarstellung soll das ehrwürdige Handwerk des Schmieds dokumentieren. In den Bilderhandschriften ist eine Vielzahl von Aussagen zur Schmiedekunst, zur Landwirtschaft, zum Hufschmied und Geräte wie Pflug, Egge, Sense usw. zu sehen. Auch das Münzrecht wird durch den Münzer dargestellt.  

 

Am Nebengebäude befindet sich ein großer Torbogen, der mit Metallwinkel geschlossen wurde. Auf diesen Torbogen sollen aus der Skizze Einzelfiguren und Gegenstände aufmontiert werden. Durch die plastische Anfertigung wird ein zusätzlicher räumlicher Effekt entstehen.

Im Antrag ist vorgesehen, dass die angefertigten Figuren, die fest am Torbogen montiert sind, mit einer künstlerischen Farbgebung zu bemalen.  

 

 

Darstellung der Töpferkunst Straße der Sassen 2

Auf diesem alten Bauernhof hat die Besitzerin eine Töpferei eingerichtet. Seit einigen Jahren werden hier Töpferlehrgänge durchgeführt. Auch Schulklassen nutzen in ihrem Schulunterricht dieses Angebot und werden mit der alten Töpferkunst vertraut gemacht. Die Töpferei soll intensiv mit in das Kunstprojekt Sachsenspiegel integriert werden. Unsere Besucher werden in der Töpferei über die Herstellung von damaligen Haushaltsgegenständen informiert, die auch heute noch unentbehrliche Utensilien des täglichen Lebens darstellen.    

 

Darstellung des Manngeldes - Straße der Sassen 4

Ebenfalls ein alter Bauernhof, der umgebaut und unternehmerisch von der ansässigen Familie weitergeführt wird. Als Hobby hat man sich das bäuerliche Leben mit zu Eigen gemacht. Hühner, Gänse und Ziegen werden gehalten, um die tierischen Produkte zu nutzen. Auf der Außenmauer wird aus der „Wolfenbütteler Bilderhandschrift“ das „Manngeld“ abgebildet.  Eine prachtvolle Darstellung einer Aufreihung von Tieren, die im Schadensfall klaren Regelungen unterlagen.